Gedanken zur Weihnachtszeit 2018

Einige Tage vor Hl. Abend des Weihnachtsfestes 2018, möchte ich Ihnen ein paar Gedanken zur Besinnung und zum Nachdenken mit auf den Weg geben.

Vor einiger Zeit fiel mir die Geschichte vom anderen Esel und das Jesuskind in die Hände. Als ich sie las, dachte ich bei mir, es passt doch genau in die heutige Zeit. Der dumme Esel, dem man Lasten auflegt, die seine Besitzer selbst nicht tragen können und auch wollen, ein Symbol das man auch gerne für Menschen benutzt. Dabei ist der Esel gar nicht so dumm. Aber sehen wir uns erst einmal die Geschichte am:

Der andere Esel und das Jesuskind

Er war den ganzen Tag so vor sich hin getrottet. Sie hatten ihn mit Schimpf und Schande aus dem Dorfe gejagt. Seiner Herrschaft, der er jahrelang treu und ergeben gedient hatte, war er auf einmal unnütz erschienen. Sie sagten, er sei faul und zu nichts mehr zu gebrauchen. Er fresse und trinke nur und bringe keine Leistung mehr. Sie beschuldigten ihn sogar, ihre Nachtruhe und den Dorffrieden zu stören, weil er des Nachts stets durch sein lautes .Jaa, Iaa" alle zur Verzweiflung bringe. Am frühen Morgen tagte dann das Dorfgericht. Die Richter, die sich durch ihn oft selbst in ihrer Nachtruhe gestört fühlten, machten kurzen Prozess. Sie verurteilten den Esel einstimmig dazu, wegen fortgesetzter Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung unter Rutenhieben aus dem Dorfe getrieben zu werden. Dies geschah.

So trottete er einsam vor sich hin, brot- und heimatlos, durchgefroren und ohne Ziel. Werwird einen alten Esel noch aufnehmen'? Manchmal sah er auf seinem Wege ein Licht brennen. Beim Näherkommen konnte er durch die Scheiben erkennen, dass eine Familie zu Tisch saß und wunderbare Sachen verzehrte. Er war versucht, sich bemerkbar zu machen. Aber er wusste ja, wer er war und was sie ihm zum Vorwurf gemacht hatten. So einen nimmt man nicht auf. Also trottete er weiter. Acht Stunden war er nun schon unterwegs. Kein Blatt und kein Grashalm. Nur ein Beißen in den harschen, hartgefrorenen Schnee, um den Durst zu indern. Da sah er in der Ferne, als er gerade seinen Kopf in den Nacken warf, um eine lautes KlageIaa zum Himmel zu schreien, einen großen Stern, der ihm die Richtung zu geben schien Er beobachtete die Stern-Erscheinung und stellte alsbald fest, dass der Stern sich nicht bewegte. So werde ich ihm näher kommen, dachte der Esel. Dort muss etwas los sein. Vielleicht ist dort ein Riesenpalast, wo auch ein alter Esel Aufnahme finden kann. Er beschleunigte seinen Schritt und verfiel in einen Stolper- Trab, der ihn fast außer Atem kommen ließ. Aber er hielt durch, weil es nur noch besser und schöner werden konnte. Dann aber verzögerte sich sein Schritt, je näher er kam. Der Glanz des Sternes, so schien es, war heller geworden. Des Esels Augen brannten so sehr, dass er fast weinen musste. Und dann sah er auch die eigentliche Quelle dieser Fülle von Lichterglanz. Sie kam aus einem baufälligen Stall, der da mitten auf freiem Felde stand und jederzeit einzustürzen drohte, weil eine Menge Schnee auf das Dach gefallen war. Langsam näherte sich der Esel. Er zog den Kopf in die Schultern, weil er befürchtete, im nächsten Augenblick wieder von einem Schlage getroffen zu werden. Wie kann es ein Esel, den man so getreten hatte, wagen,
ins Licht zu kommen? Aber weil es so still blieb und nicht die üblichen Schmähungen zu hören waren, wagte er sich näher. Mit seiner Stirn stieß er die Tür auf, die fast aus den Angeln fiel. Dann war er so geblendet, dass er sich auf die Knie seiner Vorderbeine fallen lassen musste. Das war zuviel für ihn. So viel Licht hatte ihn in seinem ganzen Leben noch nicht umstrahlt. Er war sprachlos. Das Iaa blieb ihm im Halse stecken. Vorsichtig hob er den Kopf und blinzelte nach oben. Was er da sah, ließ ihn erneut erstarren. In einer Krippe lag ein Kindlein, von dem das ganze Licht auszugehen schien. Und hinter der Krippe sah er eine Frau und einen Mann, die sich rührend um das Kind kümmerten. Als diese drei ihn liebevoll ansahen, wusste er, dass er hier nicht wieder vertrieben werden würde. Und dann sah er noch ganz nah bei der Krippe einen aus seiner eigenen Familie. Einen alten Esel wie er selbst, der offensieht- lieh zuvor mit Stolz die Frau hinter der Krippe getragen hatte. Anders war seine erkennbare Zuneigung zu dieser Frau und ihre Dankbarkeit gegenüber seinem Artgenossen nicht zu erklären.

Da wusste er, dass er hier gut aufgehoben war und nicht wieder vertrieben werden würde. Bei dieser Familie wollte er bleiben, solange es ging. Und so legte er sich vor die Krippe und schlief beruhigt ein. Und er träumte von dem Kindlein, das einen so gütigen Blick auf ihn geworfen hatte.

Und als sich die Familie nach 7 Tagen aufmachte, über Ägypten den weiten Umweg in ihre Vaterstadt Nazareth zurück zu reisen, durfte er die Familie begleiten. Die Frau nahm Platz auf seinem Eselfreund, mit dem sie gekommen waren, und er selbst durfte das Kindlein tragen. Die Last war leicht und schwer zugleich. Aber er wusste, dass alles gut werden würde.


Die Geschichte stammt von Heinrich Gauf, aus dem Buch " Weihnachtsgeschichten der ganz anderen Art".


Ich glaube es gibt keinen Menschen, der in seinem Leben nicht schon einmal enttäuscht wurde und sich ausgenützt, ja sogar mißbraucht vorkam. Gerade in unserer heutigen Zeit des Managements und des Lohndumpings, ist das nach meiner Erfahrung nicht selten der Fall. Man hat alles gegeben und wird dann von undankbaren sowie gefühlosen Menschen zum Teufel gejagt. Im Extremfall landet die Geschichte in der Depression und in Angstzuständen. Wie gut tut es dann, wenn man trotz allen Übels und aller Ungerchtigkeit auf Menschen trifft, die einem die Hand reichen, sowie etwas Liebe, Wärme und Verständnis entgegen bringen. Diese Gefühl, das unser ausgenützter und mißbrauchter kleiner Esel hatte, hier werde ich geliebt, bekomme keine Prügel mehr und darf bleiben, ist es was Weihnachten ausmacht. Da kommt der Sohn des Schöpfers dieser Welt, in einer kleinen Krippe, in einem armseligen Stall auf die Welt und strahlt eine Liebe und Wärme aus, die mit nichts auf der Welt zu bezahlen ist. Diese Liebe und Angenommenheit des Kindes in der Krippe wünsche ich Ihnen zum diesjährigen Weihnachstfest und ein gesegnetes neues Jahr 2019!


Ihr

Bernhard Volk

Domschweizer i.R.